Erfahrung mit Eurowings bzgl. Abwicklung Ansprüche Fluggastrechte

Hundi

Well-Known Member
#1
Hallo,

liebe Mods, falls das hier falsch drin steht, bitte entsprechend verschieben, Danke!

Ich will hier kein Bashing von Eurowings betreiben, der Groll ist inzwischen verflogen und ich versuche die Emotionen draußen zu lassen.
Mir gehts hier darum, Leuten evtl. Wege aufzuzeigen, sich nicht von einer Fluggesellschaft weich kochen zu lassen, sondern seine Rechte einzufordern.

1.) Was ist passiert?

Flugbuchung

Wir haben für den Familienurlaub 2018 im Juli 2017 für Mai 2018 die damals neue (inzwischen wieder eingestellte) Verbindung München-Fort Myers mit Eurowings gebucht.
Für 2 Erwachsene und 2 Kinder zusammen 1.800 Euro im Smart-Tarif mit Gepäck und Essen kein Schnäppchen, aber für einen Nonstop-Flug mit für uns attraktiven Flugzeiten okay.
Ich hatte aufgrund der vielen negativen Berichte im Vorfeld ziemliche Bauchschmerzen, hatte aber gehofft, dass die das inzwischen auf die Reihe bekommen.
Für einen weiteren EW-Flug im Juni nach Mallorca kamen regelmäßig Flugänderungen rein, aber für unseren Florida-Flug sah es gut aus, keine Änderungen.

Hinflug
Wir sollten am Dienstag, 08.05.2018 um 14:20 Uhr von München aus fliegen. Also gemütlich ausschlafen, frühstücken und mit den Kindern zum Flughafen fahren - so war der Plan.
Am Abend vor dem Abflug bekomme ich um 17:10 - während ich mich gerade telefonisch beim meinem Chef in den Urlaub abmelde - eine SMS von Eurowings, in der mir mitgeteilt wird, dass man den morgigen Flug leider stornieren muss.
Parallel kommt eine Email mit der Info über die Stornierung, aber keine Umbuchung - nur die Telefonnummer von der Hotline.
Dem Chef dann gesagt "Sorry, ich ruf Dich gleich nochmal an, mein Flug wurde storniert. ich muss das eben klären" und als sich der Puls wieder beruhigt hat, bei EW angerufen.
Ich hatte sogar innerhalb von 5 Minuten eine freundliche Dame in der Leitung, die uns dann auf den EW-Flug via Düsseldorf umgebucht hat.
Neue Abflugszeit: 06:45 Uhr mit 4,5 Stunden Aufenthalt in Düsseldorf.
Also der Familie die "frohe" Nachricht überbracht, im Schnellgang fertig gepackt und den Wecker auf 03:20 Uhr gestellt, Abfahrt 4 Uhr...
Der Flug an sich hat gut geklappt, die Kinder haben trotz des Weckens mitten in der Nacht super mitgespielt und auch die 4 Stunden in Düsseldorf am Gate haben wir überlebt. Trotz einiger Verzögerungen beim Abflug waren wir dann sogar 1 Stunde früher in Fort Myers - wenn auch alles andere als entspannt.

Rückflug
Wir sollten ja am Dienstag, 06.06.2018 um 21:05 Uhr von Fort Myers aus abfliegen - wieder geplant Nonstop nach München mit Ankunft um 12:55 Uhr
Eine Woche vorher bekomme ich eine Email dass unser Flug gestrichen wurde und wir nach Düsseldorf mit Abflug um 18:30 Uhr umgebucht wurden. Wie es weiter nach München geht? Stand nicht drin...
Also am Abend die EW-Hotline in den USA gewählt und nach 45 Minuten Warteschleife entnervt aufgegeben.
So ging es dann noch 3x
Beim vierten Versuch hatte nach über 50 Minuten in der Warteschleife einen freundlichen Herren in der Leitung, der auch relativ schnell mein Problem verstanden hat, dass ich nach München und nicht nach Düsseldorf will. Er könne mich aber nicht auf einen Lufthansa-Flug von Düsseldorf nach München einbuchen, da man kein Kontingent mehr frei habe. Wir könnten ja ein Zugticket kaufen und zur Erstattung einreichen.
Er wollte dann auf meine Bitte hin nochmal mit seinem Supervisor sprechen und nach fast 10 Minuten war er dann etwas zerknirscht am Telefon. Es ärgerte ihn selbst, aber man könne uns anbieten ausnahmsweise die Kosten für einen Mietwagen zu übernehmen, da man ja einsehe, dass es für eine Familie mit 2 kleinen Kindern und viel Gepäck nicht angenehm ist mit der Bahn zu fahren. Ich bin immer noch freundlich geblieben und habe ihm noch einen schönen Tag gewünscht...
Meine Email vom 29.05. bezüglich des Anschlussfluges nach München ist bis heute unbeantwortet geblieben...
Wir haben dann die letzten Tage trotz allem noch genossen, haben mit der Hausverwaltung einen früheren Termin für den Check-Out vereinbart und sind dann mit Spannung was uns so erwartet zum Flughafen gefahren.
Dort haben wir dann in der Schlange einige Leidensgenossen (Passagiere nach München) getroffen.
Die Damen am Check-In konnten nichts für uns tun, auch die Supervisorin nicht. Also erstmal ab zum Gate. Pünktlicher, ereignisloser Flug.
Die Crew war wieder sehr freundlich und bemüht, nach der Landung kam dann eine Durchsage für die Passagiere nach Müchen: Gepäck abholen und den Eurowings-Ticket-Schalter (auf)suchen. Der war dann einmal quer durch den halben Flughafen auch bald gefunden, davor schon eine lange Schlange mit teilweise sehr geladenen Fluggästen.
Die nette Dame am Schalter war für mich die Eurowings-Mitarbeiterin der Woche (wenn nicht sogar des Jahres):
Trotz aller Emotionen, die bei ihr abgeladen wurden, blieb sie freundlich und bemühte sich wirklich um die Gäste.
Sie hatte durch Zufall auf Facebook gelesen, dass der Flug nach München storniert wurde - eine offizielle Info lag ihr bis zum Eintreffen der Gäste nicht vor.
Sie hatte kein Verständnis dafür, dass die Kollegen im Backoffice nicht schon im Vorfeld die Passagiere umgebucht hatten.
Auf jeden Fall organisierte sie in Windeseile Flugtickets für die nächste Lufthansa-Maschine nach München.
So, noch 45 Minuten Zeit bis zum Abflug, das Gepäck bitte auf der anderen Seite des Flughafens abgeben und einchecken. Der Kindersitz dann zum Sperrgepäck und ab zur Sicherheitskontrolle wo die nächste Schlange auf uns wartete.
Aber wir habens geschafft und sind wieder alles andere als entspannt sogar eine Stunde früher als ursprünglich gebucht in München gelandet.

2.) Die Aufarbeitung / Definition und Adressierung der Ansprüche

Hinflug:
EU-Fluggastrechte-Verordnung 261
Forderung 600 Euro pro Person gem. Artikel 7 I c
Mit Hinweis, dass keine rechtzeitige Unterrichtung im Sinne von Art. 5 I c statt fand, ebenso keine außergewöhnlichen Umstände nach Art. 5 III vorliegen

Rückflug:
EU-Fluggastrechte-Verordnung 261
Forderung 600 Euro pro Person gem. Artikel 7 I c
Mit Hinweis, dass keine rechtzeitige Unterrichtung im Sinne von Art. 5 I c statt fand, ebenso keine außergewöhnlichen Umstände nach Art. 5 III vorliegen

Abwicklung:
Die Forderungen gingen per Einschreiben am 17.06.2018 unter einer Fristsetzung von 2 Wochen ab Zustellung an Eurowings.
Hier würde ich künftig das Ganze auch noch per Mail an EW parallel senden.
Nachdem keinerlei Reaktion erfolgte habe ich am 23.07.2018 eine Mahnung mit Fristsetzung bis 31.08.2018 gesendet.

Als wieder keinerlei Reaktion erfolgte, haben wir die Fälle am 07.09.2018 an die SÖP (Schlichtungsstelle Öffentlicher Personenverkehr) übergeben.
Hierbei wurde uns mitgeteilt, dass eine Schlichtung rund 3 Monate in Anspruch nehmen kann.
https://soep-online.de/

Der Erfolg:
Anfang November kam dann eine Mail von Eurowings mit einem Standart-Text, dass man unsere Probleme bedauere, etc. und der Zusicherung 600 Euro pro Person zu überweisen. Aber keinerlei Info für welchen Flug die Entschädigung sein sollte.
Die Zahlung ging dann auch am 09.11. ein.

Ich habe dann die SÖP informiert und man sagte mir, ich sollte abwarten, da man selbst keinerelei Infos habe.
14 Tage später (24.11.) dann ein Anruf aus Berlin von der SÖP, dass Eurowings für beide Flüge eine Ausgleichszahlung vornehmen werde und man würde nun die Fälle schließen. Sollte bis Weihnachten keine Zahlung eingehen, sollten wir uns nochmal bei der SÖP melden.

Am 05.12. kam dann die zweite Überweisung und der Fall ist erledigt.

3.) Fazit:

Zusammenfassend kann man sagen, dass man viel Geduld braucht, aber es hat gut geklappt. Man darf sich von der Hinhalte-Taktik der Airlines nicht ausbremsen lassen.

Meiner Meinung nach hat das bei EW durchaus System, denn viele werden es dann irgendwann bleiben lassen, ständig nachzuhaken. Auch ist es irgendwie bezeichnend, dass entgegen der Verpflichtung keinerlei Info von der Airline zu den Fluggast-Rechten kam.

Würde ich nochmal Eurowings buchen?
Wenn der Preis erheblich günstiger als alle verfügbaren Verbindungen wäre, könnte ich es mir sogar vorstellen.
Man muss sich halt klar sein, dass man allein gelassen wird, wenn irgendwas schief geht.
 

Arndt

Well-Known Member
#2
Für 2 Erwachsene und 2 Kinder zusammen 1.800 Euro im Smart-Tarif mit Gepäck und Essen kein Schnäppchen, aber für einen Nonstop-Flug mit für uns attraktiven Flugzeiten okay.
Das sind 450€ pro Person return. Ich zahle regelmäßig 900€ für die Streck Düsseldorf - Linz - Düsseldorf in Eco. Und das auch nur, wenn ich min 4 Wochen vorab buche.
Jetzt hast Du 4 x 1.200€ Kompensation erhalten, ergo 3.000€ Reingewinn. Diesen Betrag finde ICH viel zu hoch. Aber da redet keiner drüber.
 

Tozupi

Well-Known Member
#3
Stimme Arndt soweit zu, dass die Verhältnismäßigkeit verloren geht.

Aber,... auf der anderen Seite muss mann der Fluggesellschaft auch "wehtun". Die Entschädigungszahlungen sollen ja auch dazu anhalten die Beförderungsverträge einzuhalten und nicht die "Ware Stückgut Mensch" zu behandeln wie dumme Viehcher. Viele solcher Zahlungen führen halt auch zum Ruin. Und dass muss halt von den Gesellschaften verstanden werden. Und es ist wie überall... wenn es ans Geld geht, ist Hirn eher bereit zu reagieren... leider...
PS: Soll ja Menschen geben die sich bewusst Problemflieger mit regelmäßigen Verspätungen suchen um solche "Gewinnspannen" zu erspekulieren.
 

Desirade

Well-Known Member
#5
Stimme Arndt soweit zu, dass die Verhältnismäßigkeit verloren geht.
Aber,... auf der anderen Seite muss mann der Fluggesellschaft auch "wehtun". Die Entschädigungszahlungen sollen ja auch dazu anhalten die Beförderungsverträge einzuhalten und nicht die "Ware Stückgut Mensch" zu behandeln wie dumme Viehcher. Viele solcher Zahlungen führen halt auch zum Ruin. Und dass muss halt von den Gesellschaften verstanden werden. Und es ist wie überall... wenn es ans Geld geht, ist Hirn eher bereit zu reagieren... leider...
PS: Soll ja Menschen geben die sich bewusst Problemflieger mit regelmäßigen Verspätungen suchen um solche "Gewinnspannen" zu erspekulieren.
Also wir hatten letztes Jahr auch das "Glück" zu den EW - Geschädigten zu gehören.

Ich hatte durch die Presse 2017 erfahren, dass es endlich nach der Air Berlin Pleite wieder Nonstop Flüge nach Fort Myers geben wird und ich habe voller Freude Tickets für den ersten Flug ab Köln/Bonn gebucht -> keine Schnäppchenpreise 999 Euro/Person, das war es uns aber wert!

Der Hinflug verlief ereignislos außer dass das Essen wirklich nicht geniessbar war.
Am Tag vor dem Rückflug - SMS "Leider Flug storniert" - sonst keine Infos, eine Freundin hat dann von Deutschland aus uns einen Rückflug einen Tag später nach Düsseldorf über die Hotline organisiert.
Dort sind wir dann mit einem selbst organisierten Mietwagen nach Köln/Bonn gefahren - Hilfe gab es keine von EW.

Dank Rechtsschutzversicherung habe ich nicht gefackelt und bin einfach zum nächsten Anwalt bei uns in der Stadt gegangen - der hat uns entsprechende Schreiben fertig gemacht - hat dann 3 Monate gedauert bis Geld eingetrudelt ist.

Ich würde niemand raten darauf zu zocken Entschädigungen zu bekommen (der Stress ist einfach zu groß) und ich will auch nicht gegen EW hetzen.

Inzwischen habe ich mich aber schlau gemacht und weiss es besser, was ich buche, wenn ich einen Nonstop Flug haben will.
 

Hundi

Well-Known Member
#6
Mir ist jetzt nicht ganz klar, warum EW die Entschädigungen gezahlt hat
Hinflug -> Abflug 8 Stunden früher als gebucht um 1 Stunde früher anzukommen plus Umsteigen anstelle Nonstop-Verbindung?
EU 261 Artikel 5 Absatz I c iii

Rückflug 2,5 Stunden früher als gebucht ohne Gewissheit wann und wie man ankommt - plus Umsteigen anstelle Nonstop-Verbindung?
EU 261 Artikel 5 Absatz I c iii
 

Michael-K.

Well-Known Member
#7
Dass ein früherer Abflug als erstattungswürdig zählt, wusste ich nicht. Aber für 2,5 Stunden die volle Entschädigung? Die Ungewissheit wurde ja durch den Besuch am Schalter schnell genommen.

Es sei Dir gegönnt, aber nachvollziehen kann ich das als Nicht-Jurist nicht.
 
#8
Dass ein früherer Abflug als erstattungswürdig zählt, wusste ich nicht. Aber für 2,5 Stunden die volle Entschädigung? Die Ungewissheit wurde ja durch den Besuch am Schalter schnell genommen.

Es sei Dir gegönnt, aber nachvollziehen kann ich das als Nicht-Jurist nicht.
Abflug 2,5 Std früher aber dann erst in DUS und nicht in MUC. Die Strecke kommt ja noch dazu und somit im Gesamtergebnis mehr als 4 Std
 

karsten3105

Well-Known Member
Sponsor
#11
letztendlich will ich hier keinen Finger heben. Aber wenn ich sogar früher am Ziel ankomme, dann freue ich mich und bin glücklich.
Letztendlich werden alle diese Zahlungen auf die Ticketpreise aufgeschlagen - der Einzelne freut sich, aber am Schluss zahlt immer nur der Fluggast durch höhere Ticketpreise.
 

peter05

Well-Known Member
#13
Liegt wohl eher an der Firmenpolitik und da hält sich mein Mitleid doch stark in Grenzen.
Die Gesetzeslage ist eindeutig, das wissen auch die Airlines, und wenn es dann doch immer wieder zu solchen Entschädigungen kommt, dann ist die Schuld am allerwenigsten beim Fluggast zu suchen, auch nicht moralisch.
Nein, die müssten noch höhere Entschädigungen zahlen.
 

Desirade

Well-Known Member
#14
Die Zahlungen stehen Reisenden in bestimmten Falllagen gesetzlich zu.

Ob ein Anspruch besteht, prüfen die Airlines sicher gründlich, daher dauert es meist lang und die Reisenden müssen oft Hilfe dazu in Anspruch nehmen.

Wenn Airlines dies bereits in ihre Kalkulation einbeziehen, bin ich wirklich etwas erschrocken.
Denn das würde ja bedeuten, dass bei den Airlines ausgerechnet wird, ist es günstiger einen Flug ausfallen zu lassen und X% der Reisenden bekommt die gesetzliche Entschädigung oder ist es lukrativer zu fliegen?
 
#15
Denn das würde ja bedeuten, dass bei den Airlines ausgerechnet wird, ist es günstiger einen Flug ausfallen zu lassen und X% der Reisenden bekommt die gesetzliche Entschädigung oder ist es lukrativer zu fliegen?
Genau das unterstelle ich EW - nur allzuoft wird gerade DUS-RSW-DUS ( speziell in den letzten Wochen der DO Flug ) gestrichen und die Paxe auf MIA umgebucht. Wenn man dann sieht, wie die Auslastung an anderen Tagen ist, fragt man sich wie sich das überhaupt rechnen kann. Bin am 22. Jan zurück nach RSW geflogen und die Auslastung in C war ca. 10 Pers, Best ca. 10 und Eco ca. 50 bis 60 schätze ich mal. An anderen Tagen sieht es wohl nicht anders aus, was mir Gäste erzählt haben.
 

Airwulf

Moderator
Mitarbeiter
#16
Natürlich könnte man so denken.
Aber dem ist nicht so.
In 2018 hatte EW massive operationelle und technische Probleme.

Und wenn mangels Crew oder Flugzeug ein Umlauf cxx wurde,dann war es meistens RSW oder auch MIA.
Weil diese Strecken nicht gut liefen.

Es macht jedenfalls Sinn, einen Flug mit 40-50% Auslastung zu streichen und dafür einen Flug mit über 90% Auslastung
durchzuführen.

Was aber gar nicht geht ist, wie mit den Kunden umgegangen wurde.
Das war grauenvoll und dreist.

Ich bin jedenfalls auf die EW-Performance 2019 gespannt.

Nichts desto trotz lasse ich die Finger von dieser Airline
 

Floridatom

Well-Known Member
#20
Irgendwann sollten die bei Eurowings die Flüge nach USA ordentlich geregelt bekommen. Hab meine Flüge dieses Jahr schon alle gebucht. Hoffe 2020 kann man wieder einen "Direktflug" nach RSW sorgenfrei buchen können. Jetzt wird noch beobachtet ;).

T:cool:M
 
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