Fernsehen und Schule....

J

Jochen

Guest
#61
Darf ich mal eine Frage stellen, ohne gleich zerrissen zu werden? :009:

Warum hat heute alles einen Namen und muß behandelt werden, was früher ganz normal war? :065:
Gegenfrage: War früher alles besser?
Wenn es die Möglichkeiten gibt sowas zu erkennen und zu behandeln, den Menschen das Leben leichter zu machen - warum sollte man das nicht tun? Medizinischer Fortschritt wird doch - wie fast jeder andere Fortschritt auch - in der Regel dankend angenommen und jeder freut sich wenn Erkrankungen behandelt werden können, gegen die man früher keine Mittel hatte.
Gerade im Bereich von psychischen Erkrankungen, wo man nicht "sehen" kann was den Leuten fehlt ist es für einen gesunden Menschen sicher schwer bis gar nicht vorstellbar was der betroffene durchleiden muss - aber deswegen ist derjenige ja nicht weniger krank als jemand der sich ein Bein gebrochen hat.

Du kennst mich, ich bin nun wirklich niemand der bei jedem Wehwehchen zum Arzt rennt (20 Jahre keine Erstattung mangels Masse von der PKV) - aber man sollte doch respektieren wenn andere das anders sehen.
Ich bin ganz bei Dir, dass nicht jedes "hibbelige" Kind ADHS hat und viele Eltern auch z. B. Mängel der eigenen Erziehung lieber medikamentös behandelt sehen wollen als sich selber zu hinterfragen - nur sollte das weder von Dir noch von mir beurteilt werden, sondern möglichst von kompetenten Fachleuten. Das man da auch an die falsche Adresse geraten kann ist wieder ein ganz anderes Thema....
 

Ariel

Well-Known Member
#62
Darf ich mal eine Frage stellen, ohne gleich zerrissen zu werden? :009:

Warum hat heute alles einen Namen und muß behandelt werden, was früher ganz normal war? :065:
Ganz einfach. Früher wurde Kinder ausserhalb der Norm, jedoch ohne eine ersichtliche Behinderung, einfach in die Sonderschule abgeschoben. Was das für diese Kinder bedeutet hat, kannst du dir vorstellen. Ich bin froh darüber, dass heute eher auf die Kinder eingegangen wird und auch Therapien angeboten werden. Selbst wenn es manchmal zu Auswüchsen kommt, möchte ich nicht zu den guten, alten Zeiten zurück, denn diese waren nicht wirklich gut.
 

Florian B.

Well-Known Member
#63
... früher waren das die Klassenclowns, die dann auf die Hauptschule gegangen sind und selbst dort keinen Abschluss schafften.

Heute haben die Kinder eine Perspektive, ich finde das gut.
 
F

floridamummel

Guest
#64
Danke Jochen. Besser hätte ich es nicht erklären können.

Ich wage zu behaupten das mein Sohn sehr gut erzogen ist. Wir hören ausschliesslich Lob, er ist sehr sozial eingestellt, hilfsbereit und angenehm. Wir achten darauf, das er sich benimmt, dass er höflich ist etc. Wenn ein Kind nun genau das Gegenteil ist, also unerzogen, frech etc, ist das ja kein ADS und hat damit auch nix zu tun, Tom!
Das erkennen auch Fachleute und dann gibt es auch keine Medikamente. Pillen für gute Erziehung sind noch nicht erfunden. ;) Medikamente gibt es nur, wenn wirklich eine Krankheit vorliegt. Wenn unser Sohn am Wochenende keine Medikamente nimmt ist es oft extrem schwierig mit ihm, aber da müssen wir durch. Er bekommt die Medikamente nur in der Schulzeit. Die andere Zeit arbeiten wir gemeinsam daran, dass es läuft. Und eins kann ich dir sagen: ich könnte manchmal echt verzweifeln. Es ist anstrengend. Hätte ich es gern bequem, würde ich ihm auch am Wochenende was geben. Aber das ist ja nicht Sinn der Sache. Er muss ja trotz der ADS Sache lernen,damit umzugehen. Und dennoch ist er gut erzogen. Das sind ja die Dinge die man trennen muss. Die hampelnden Kinder auf den Flugzeugsitzen, die den Nachbarn am Pulli zerren und mit Schokolade schmieren(übertrieben gesagt) und freche Antworten geben, weil eben die Eltern nicht hinschauen. Dieses Kind muss nicht zwingend ADS haben. Es kann einfach nur ein Kind sein, mit ELtern die es nicht juckt. Mein Sohn ist zwar arg nervös, aber benimmt sich dennoch, weil wir darauf achten. Auch das geht.
Wenn man jedoch merkt, dass Eltern sich bemühen, wie zum Beispiel im Flieger, und das Kind ist dennoch total durch, dann kann es in der Tat auch ein Kind mit ADS sein. Kann man halt als Laie nicht wissen. In meinen Augen ist es wichtig sich zu kümmern als Eltern und als Aussenstehender kann man ruhig mal fragen, wenn man merkt, da sind Eltern die quälen sich ab, was mit dem Kind los ist. Fände ich persönlich gar nicht schlimm.
 

TiPi

Moderator
Moderator
#65
Ich hab ja gar nicht gesagt das früher alles besser war und ich meine auch keine Kinder, die eine offensichtliche Behinderung, Lernschwäche, etc. haben und somit auf einer Regelschule nicht klarkommen.
Ich meine genau die Kinder, die "hibbelig", im Kindergarten / Schule auffällig sind, den Unterricht stören, etc.
Haben die alle gleich ADS oder ADHS? Wer entscheidet das? :065:
Ich glaube wenn es danach ginge, wäre ich selbst mit 4 Buchstaben nicht ausgekommen :009: Ich war einfach nur stinkfaul und meine Interessen lagen woanders, aber nicht in der Schule. Trotzdem hab ich alle wichtigen Prüfungen und Abschlüsse hinbekommen.
Wo zieht man da die Grenze?
Das gleiche gilt für das Thema "Burnout"......
 

Florian B.

Well-Known Member
#66
Ich hab ja gar nicht gesagt das früher alles besser war und ich meine auch keine Kinder, die eine offensichtliche Behinderung, Lernschwäche, etc. haben und somit auf einer Regelschule nicht klarkommen.
Ich meine genau die Kinder, die "hibbelig", im Kindergarten / Schule auffällig sind, den Unterricht stören, etc.
Haben die alle gleich ADS oder ADHS? Wer entscheidet das? :065:
Ich glaube wenn es danach ginge, wäre ich selbst mit 4 Buchstaben nicht ausgekommen :009: Ich war einfach nur stinkfaul und meine Interessen lagen woanders, aber nicht in der Schule. Trotzdem hab ich alle wichtigen Prüfungen und Abschlüsse hinbekommen.
Wo zieht man da die Grenze?
Das gleiche gilt für das Thema "Burnout"......
Da geb ich Dir ja grundsätzlich Recht - deswegen hatte ich einige Seiten vorher auch mal geschrieben, dass man so eine Diagnose absichern und immer wieder absichern muss. Das trifft nicht auf jedes Kind zu. Diese hibbeligkeit kann auch ganz andere Ursachen haben - falsche Ernährung, zu viel Zucker, ein Diabetes, psychosomatische Dinge... das ist nicht zwingend ADS/ADHS. Manchen Kiddies hilft es, zwei Mal die Woche im Sportverein aktiv zu sein oder sich auf andere Art auszupowern...
Das gleiche gilt für burn-out. Nur weil ich keine Lust mehr habe, früh aufzustehen hab ich noch kein burn-out.

*Wenn* die Diagnose gesichert ist, dann ist es gut, dass es heute Mittel und Wege gibt, den Kindern zu helfen.
 
F

floridamummel

Guest
#67
Die Grenze ziehst ja nicht du. Dafür gibt es spezielle Testverfahren und die ziehen sich über einen längeren Zeitraum hin.
Faulheit ist nicht ADS......hibbelig ist auch nicht ADS.
Wie ich schon sagte, mein Sohn ist innerlich unruhig, er hat Gewitter im Kopf (sagt er), kann sich nicht konzentrieren, leicht abgelenkt von allen anderen Dingen, muss immer wieder aufgefordert werden etwas zu tun, kann nicht 2 Dinge gleichzeitig, vergißt ständig Dinge, verliert Dinge, redet unruhig und verhaspelt sich, stottert rum weil er seine Gedanken nicht auf die Reihe bringt, will alles gleichzeitig tun, kann nicht still sitzen, nicht zuhören, redet ununterbrochen, ist fahrig, immer unter Strom....verträgt keinen Zucker,keine Farbstoffe, dann wird ihm schlecht und er übergibt sich, bei einem zuviel davon. Das klingt evtl banal, weil andere Leute diese oben genannten Dingen auch haben, nur nicht alles gleichzeitig. Unter Medikamenten ist das komplett weg.

Die Schulleistungen werden immer schlechter, oft haben die Kinder auch eine Lese-Rechtschreibschwäche, weil sie sich eben nicht konzentrieren können und ADS Kinder 80 mal langsamer lernen als Kinder ohne ADS. Sie haben eine komplett andere Wahrnehmung. Was glaubst du wie lange es dauert bis er die Rechtschreibung drin hat? Wir üben immer noch..... Ich habe mich früher immer gefragt, warum mein Sohn, wenn er einen Raum betritt, nicht der anwesenden Person guten Tag sagt. Er sagte mir dann, er finde das nicht wichtig, er wunderte sich viel mehr über meine Frage. Er sieht erstmal den Raum, die Details. Die Person übersieht er erstmal. WIr mussten das echt üben, und es fiel ihm schwer erstmal zu grüßen wenn er jemanden sieht. Er kann einfach nicht mehrere Dinge gleichzeit warhnehmen. Für ihn sind ganz andere Dinge wichtig als für uns. Das muss man üben, und langsam aber sicher klappt es. Auch wenn er oft abwesend wirkt. ;)

Ich weiß, es ist schwer zu erklären und begreifen. Wenn du selbst so ein Kind hättest ,wüßtest du was ich meine. Die Kinder mühen sich in der Schule ab und es kommt nix bei rum . Sie lernen und lernen aber nichts bleibt hängen. Weil der Kopf voll mit Reizen ist, aber nichts reingeht. Eine endlose Schleife, die evtl auf der HAuptschule endet, obwohl so ein Kind mit Medikamenten durchaus das Zeug zum Gymnasiast hätte.Das ist ja das Problem bei ADS, die Kinder wollen, können aber nicht.
 

trinchen11

Well-Known Member
#68
Hallo Alex,

vielen Dank für Deine Erklärungen. Manches wird mir dadurch klarer... eine Frage hab ich aber noch :):
wenn es Eurem Sohn so viel leichter ist mit Medis, warum setzt Ihr sie denn am WE und in den Ferien ab?
Du sagst doch selber, das es ohne zumind. in der Schule nicht geht, warum tut Ihr Euch das denn dann in den Ferien an? Seine Beschwerden und die Schwierigkeiten sind doch die gleichen und sie machen ihm doch auch das Leben schwer...
LG
Marina
 
F

floridamummel

Guest
#69
Weil man mit den Medikamenten am Wochenende pausieren soll. Sind ja keine Lollis.
Die Kinder brauchen davon auch mal eine Pause. Und sollen auch lernen, mit der Sache umzugehen.
Am Wochenende brauchen sie sich ja auch nicht konzentrieren, wie in der Schule. Den die Tabletten sind eigentlich nur für die Schule gedacht. Unsere wirken 7 Stunden únd dann ist Ende.

AUsserdem habe die Tabletten 2 eklatante Nebewirkungen: kein Hunger und weniger Schlaf.
Unser Sohn ißt den Tag über nichts. Am Wochenende muss er da einfach was nachholen und ordentlich essen.
Allein aus dem Grund gebe ich ihm die Medis nicht.

Und im Großen und Ganzen kommen wir ja sonst gut zurecht. Er ist zeitweise halt anstrengend, aber da muss man dann durch. ;) Wir müssen gemeinsam lernen, damit umzugehen und es zu verbessern. Er wird ja älter, geht irgendwann ins Berufsleben über. Ich meine, dass man dann sowieso keine Medis mehr bekommt. Bis dahin muss man gelernt haben, zurecht zu kommen.

Samstags gehts meistens auch noch ganz gut. Je länger er die Medis nicht nimmt, desto hibbeliger wird er. Was aber auch manchmal tagesformabhängig ist.
Er hat auch Tage da läuft es super. Er ist da eigentlich auch noch recht gemäßigt. Da gibt es andere Kinder die sind wesentlich unruhiger und anstrengender.
Es ist jetzt auch nicht so, dass er uns das Haus auseinandernimmt. Er redet eigentlich ununterbrochen, ist nervöser und vergesslicher. Aber am Wochenende wird sich viel bewegt, das ist dann ein gutes Ventil. Am Wochenende hat er ja auch nicht das Problem, dass er sich zwingend konzentrieren MUSS. Wir handhaben das momentan ganz gut denke ich.
 

TiPi

Moderator
Moderator
#70
Hi Alex

Bei Euch ist der Fall ja auch mehr als klar und ich kann mir vorstellen wie schwierig das ist :0024:
Es gibt aber sicher auch Fälle, da wird ADS diagnostiziert, wo das Kind einfach nur hibbelig und unkonzentriert ist.
 

buccaneer

Buchmacher und Frauenversteher
#71
ich bin nun in keinster Weise betroffen und daher antworte ich mal komplett aus dem Gefühl - aber ich könnte mir EINEN Grund schon mal darin vorstellen, dass die gängigen Wirkstoffe ihre nicht zu verachtenden Nebenwirkungen haben.
Methylphenidat (Ritalin, Medikinet, Equasym, Concerta usw) zum Beispiel kann starke Kopfschmerzen auslösen, Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, Magenbeschwerden...
Aber bestimmt können die betroffenen Kiddies / die Eltern noch viel mehr und ganz andere Gründe aufzählen.

edit: ich bin einfach zu langsam :grin:
 

Florida-Fighter

Derzeit im Forums-Urlaub
#72
Florian: völlig richtig, was du schreibst. Es muss abgeklärt werden, und das definitiv nicht vom Kinderarzt sonder von erfahrenen Kinderpsychiatern. Aber so wie das bei Demi klingt, haben sie einen ähnlichen Marathon hinter sich wie wir zur Diagnosefindung. Wir dachten Anfangs unser Sohn habe Legasthenie oder LRS. Bis bei den Tests was völlig anderes herauskam.
Und ich möchte bitte nochmal drauf hinweisen, ich habe lange selber dieses Vorurteil gehabt: ein unhruhiges Kind ist nicht gleich ein Kind mit fehldiagnostiziertem ADS. Mein Sohn ist auch unruhig und braucht Bewegung, aber in erster Linie sind es ganz andere Probleme die auftreten als einfach nur hibbelig und ein Störenfried. ALso von wegen: schick dein Kind zum Sport und dann ist alles gut, das ist einfach Quark. Ich glaube, wenn mein Sohn keine Medis nehmen würde, wäre er in der Schule total versackt. Erst jetzt treten seine Leistungen zutage, wie sie wirklich sind und nicht durch die Krankheit verändert.
Er sagt ja selbst, es geht ihm seit dem Tag besser, an dem er die 1. Pille genommen hatte. Er verlangt quasi danach,weil dann im Kopf endlich ruhe herrscht und er Ordnung hat. Das Gewitter ist quasi ruhig im Hirn. Klingt komisch, ist aber so. Und er hat bewußt an der Einstellung der Medikation mitgearbeiet. Er konnte mir genau sagen mit welcher Dosis er zurecht kommt, wann es zuwenig ist. Er darf ja auch nicht abwesend am Tisch sitzen.
Für ihn sind halt 30 mg perfekt. Das wirkt bis 16 Uhr circa udn dann ist alles wie vorher.Am Wochenende und in den Ferien nimmt er nichts. Ausser am Anfang, da sollen die Kinder erstmal 4, 5 Wochen durchnehmen damit auch die Eltern sehen wie es wirkt und die Einstellung irgendwann die richtige ist.

Man darf sich auch nicht durch falsche Internetinformationen verrückt machen, wenn man nach Medikinet googelt. Also Demi, Finger still. .Hör lieber auf die Fachleute. Wir sind damit bisher gut gefahren und sind jetzt froh, das es einfacher für unseren Sohn läuft. Gerade auch in sozialen Fragen wichtig. Wenn ein Kind immer weniger Freunde hat und in der Klasse alle Kinder nervt, ist das nicht wirklich schön.
Danke Alex... Du schreibst mir aus der Seele... Es ist tatsächlich so, dass wir einen Marathon hinter uns haben... Es geht eigentlich jetzt schon seit über 2 Jahren... Anfangs hatte ich einfach "ignoriert" was die Psychologin sagte... Genaugenommen ging er ja das erste mal im September 2009 zur Therapie auf Grund seines Ertrinkungsunfalls... Da fragte mich dann die Dame, ob ich Malik schon mal auf ADHS getestet habe... Ich habe dies verneint und auch direkt Situationen "parat" gehabt, in denen sich Malik "eigentlich" ruhig verhielt, z. B. Kinobesuch usw. Nach dem ich die arme Frau mit meinen Argumenten verbal in den Boden gestampft hatte, war dieses Thema auch kein Gesprächsstoff mehr... Ich habe die Unruhe auf Malik´s Unfall geschoben...

Dann kamen 2010 die Einschulungstests, da ich WUSSTE, dass Malik noch nicht schulreif ist, wollte ich unbedingt, dass die Einschulung um 1 Jahr verschoben wird... Sollte ja auch kein Problem sein, dachte ich, da Malik das komplette halbe Jahr als Vorschulkind psychisch "dicht" gemacht hatte, wegen seinem "Triggererlebnis"... Erst ab Februar 2010 kam die Psychologin bei ihm durch... Also ließ ich Malik bei der Lebenshilfe vor den Einschulungstests einen "IQ-Test" machen... Ergebnis: Malik liegt im "IQ-Bereich" im Durchschnitt ... zwar im unteren Drittel, aber noch im "grünen" Bereich... Mit eigenen Worten der Frau, meinte sie, er hätte besser definitiv abgeschlossen, aber er hat schon nach ca. 20 Minuten absolut keine "Lust" mehr gehabt. Sie hat ihn danach mehrmals zum Weitermachen auffordern müssen. Das Thema ADS bzw. ADHS wurde hier gar nicht angesprochen. In ihrem Protokoll schrieb sie dann ".... kognitiv fit, aber psychisch noch nicht schulreif. Es wird daher einer Zurückstellung der Einschulung bzw. die Einschreibung in die DiaFö (Diagnose- und Förderklasse) geraten. So... ich hatte es jetzt schwarz auf weiß: ZURÜCKSTELLUNG!!! DiaFö habe ich mal schööööööön ignoriert... :0041: ... Ich wollte das auf gar keinen Fall (GsD hat mein Mutterinstinkt mal wieder funktioniert) ... Seine Unlust schob ich mal wieder auf den Unfall, die Verlustangst (ich war nicht im Zimmer dabei), fremde Umgebung und fremde Person in die Schuhe...

Im März dann die Einschulungstests... Malik sollte trotzdem mitmachen, ich bestand darauf... Während er im Klassenzimmer sein Einschulungstest machte, bin ich mit Eddie runtergedüst, bewaffnet mit dem Test der Lebenshilfe, in dem ja EINDEUTIG geschrieben steht, Malik soll zurückgestellt werden... Und mit genau dieser Einstellung brüstete ich mich vor der Sekretärin und sie meinte dann, nach einem überraschend kurzem Gespräch, "... na gut, dann hat sich das ja für Malik dieses Jahr erledigt und wir sehen uns nächstes Jahr wieder." Ich war soooooo glücklich, dass kein Platz mehr in meinem Brustkorb war, um normal atmen zu können... Halb hüpfend bin ich dann mit Malik aus der Schule spaziert... Mein Sohn bekam jetzt noch 1 Jahr, um das "Versäumte" nachzuholen... :freu: Dann kam 2 Wochen später ein Anruf aus der Förderschule!!!!!!! Sie wollten Malik noch mal testen!!!, da ja Malik im Mai 2011 schon 6 wird und er ja kein "Kann-Kind" ist, hätte er wohl keinen "Anspruch" auf eine Zurückstellung... Meine kleine "heile" Welt brach mal wieder zusammen... Ich blieb hart und meinte, das ich einem weiteren "Test" nicht zusagen werde, mit der Begründung dass er bereits einen Test bei der Lebenshilfe gemacht hat... Frau L. war verwundert, da ihr die Kopie dieses Tests nicht vorliegt. Ich zitiere :"Achso, na wenn das so ist, dann brauchen wir Malik natürlich nicht erneut mit einem Test belasten. Aber Sie sollten bitte trotzdem unbedingt zu einem "Beratungsgespräch" in die Förderschule kommen. Ganz wichtig, bringen Sie bitte auch das "Psychologische Gutachten" der Lebenshilfe mit und geben Sie diesen bitte der Frau M.-T. bei der Besprechung mit." Ich hakte noch mal ganz genau nach, dass der Malik aber keinem weiteren Test unterzogen wird und eine Anmeldung in der Förderschule habe ich von vornherein abgesagt. Daraufhin sie: "NEIN, natürlich nicht. Es ist "NUR" ein Beratungsgespräch." Ich ging am vereinbarten Termin mit Malik hin, mit allen notwendigen Papieren. Malik blieb in einem Zimmer mit 2 anderen Damen (eine davon war Frau M.-T., was ich aber erst später erfuhr) und ich sollte in 1,5 Stunden wieder kommen. Ich kam 5 Minuten früher zurück, klopfte an und öffnete die Tür ohne zu warten. Dann sah ich meinen Sohn, in der Mitte von den 2 Frauen am Tisch sitzen, den Kopf in der linken Hand abgestützt und eine Stoppuhr auf dem Tisch... Man schickte mich raus, sie wären in 5 Minuten fertig. Nach gefühlten 2 Stunden kamen sie endlich heraus. Malik rannte zu mir und umarmte mich ganz dolle... Die 2 Frauen kamen ebenfalls auf mich zu und meinten, Malik hätte alles super gemacht und er war richtig klasse... Malik hat gegrinst und mich total stolz angeschaut... ich hab ihn ganz fest gedrückt und einen fetten Schmatzer an seinen Hals gegeben und ihm auch ganz deutlich gesagt, dass ich ganz stolz auf ihn bin... - Das mit der "tollen" Aussage der Weiber eine Katastrophe am Rollen war, war mir zu dem Zeitpunkt gar nicht bewußt... Jetzt wolle man noch Malik´s Feinmotorik "anschauen" und in der Zwischenzeit könne ich alles andere besprechen, sagte mir eine von den Frauen. Ich meinte, das ich eigentlich mit Frau M.-T. sprechen wolle. "Die bin ich" meinte dieselbe Frau... (FETTNÄPFCHEN lässt grüßen :009:) ...

Die Besprechung ging damit los, dass ich mal "erzählen" soll, wie ich mir das mit Malik und der Einschulung vorgestellt habe. Ich holte weeeeeeeit aus und fing beim Badeunfall, bis zum damaligen Tag... Sie hörte mir total nett zu, machte einige Notizen, dann mal hier ein "aha" und da ein "hmmm"... Mehr kam bis dahin nicht... Als ich fertig war, holte sie aus einer grünen Mappe einige Blätter hervor und legte sie vor sich auf den Tisch... Ich konnte oben Malik´s Namen, Datum und Uhrzeit erkenne... Alles andere gab auf dem Kopf keinen Sinn... Sie erklärte mir dann, das Malik eine "auditive und räumliche Wahrnehmungsstörung" hätte... Er hätte Probleme beim Sprechen und hätte diesbezühlich keine altergemäße Sprachentwicklung... Seine Konzentrationsausdauer sei ebenfalls nicht altersgerecht... Man konnte auch Probleme bei Stifthaltung und -führung beobachten... Also im Großen und Ganzen sehe sie den Malik in der DiaFö, was ich davon halten würde... Ich sagte ihr meine Meinung und dass ich Malik auf keinen Fall in die DiaFö stecken würde... Er bräuchte einfach nur mehr Zeit, um die versäumte Entwicklung nachzuholen... Daraufhin meinte sie nur, dass der Elterwille zählt und sie das so in ihrem psychologischen Gutachten aufnehmen werde... "BITTE WAS??? WAS FÜR EIN GUTACHTEN???" meine entsetzte Fragestellung verwunderte die Frau wohl... "Na, die Tests die wir heute mit Malik gemacht haben werden bewertet und ich werde hierüber ein Gutachten erstellen!" Daraufhin platzt mir endgültig der Kragen und ich explodierte richtig... Wörter wie "VERARSCHUNG, BAUERNFÄNGEREI, UNVERSCHÄMTHEIT usw." fielen in einem Schwall von Text, dass der Dame die Kinnlade auf die Tischplatte knallte... Das Ende der Geschichte... Ich hatte die Wahl zwischen SVE (Schulvorbereitende Einrichtung) oder Förderschule... Ich entschloss mich für SVE... Das bisschen mit der Stifthaltung und -führung, und das Sprechen kann man ja schließlich auch so "behandeln"... Zusätzlich zur SVE habe ich ihn noch in zur Logopädie (LP) und Ergotherapie (ET) gebracht... Dann habe ich ihn neben Fussball auch noch in KungFu eingeschrieben, damit er sich mal richtig austoben konnte... Ich habe mich immer gewundert, woher er soviel Energie aufbringen konnte... Ich verglich ihn mit dem Duracel-Häschen ... Das Kind wurde von einer Stunde in die nächste geschleppt... Eine Verbesserung konnte ich nicht erkennen... Von ADS und ADHS immer noch keine Spur, meiner Meinung nach... Mein Gott, wie blind wollte ich sein...

Dann kam die Einschulung im vergangenen Jahr... Anfangs lief es ziemlich gut... Bis die ersten Wörter kamen... Malik verwechselte immer wieder die Buchstaben... Wenn er ein Wort schrieb, vergaß er immer wieder Buchstaben, z. B. statt HASE fehlte das A, wenn ich ihn darauf hinwies, schrieb er das A einfach hinten an, also HSEA... Nach ca. 2 Monaten fing ich an mich über Legasthenie bzw. LRS zu informieren... Die ersten Beschwerden über sein "Störverhalten" im Unterricht ließen nicht lange auf sich warten... bereits im Dezember mußte er die Klasse verlassen und eine Unterrichtsstunde in eine andere Klasse gehen... Er hatte nach 2 gelben Karten eine rote Karte bekommen... Wir machten einen Belohnungsplan nach dem Token-System mit der Lehrerin aus... Bei jedem lächelnden Smilie gab´s ein Lego-Teilchen von der Lehrerin (ich kaufte vorher ein Lego-Auto und gab die Packung der Lehrerin)... Anfangs hat´s geklappt... Nach einigen Wochen war auch hier der "Spaßfaktor" raus und es ging wieder von vorne los... Nach den Faschingsferien im Februar habe ich entschieden, Malik in die Hausaufgabenbetreuung zu stecken, da es immer schlimmer wurde und meine Geduld nicht mehr so groß... Ich schrie ihn immer schneller an und unterstellte ihm, er mache das mit Absicht, um mich in den Wahnsinn zu treiben... Da er ja auch seit November nun Montags in die psychomotorische Gruppentherapie (PGT) geht, war ich der Meinung, dass er das alles bewußt macht, da er ja in der PGT, LP und ET geht und sie dort immer positiv von Malik berichteten... Er wurde immer impulsiver und aggressiver, wenn ich ihm etwas nicht erlaubte... Es flogen Gegenstände durch die Gegend, er warf mit Ausdrücken der schlimmsten Sorte nur so um sich, er trat mich und schlug mir egal wohin, ohne sich Gedanken zu machen, ob er mich dadurch verletzt oder nicht, Azra gegenüber wurde er ebenso gewalttätig... Es wurde so schlimm, dass ich mich manchmal ins Badezimmer schloss, und selber vor Verzweiflung heulte... Ich zeigte meine Schwäche in dem Moment natürlich nicht vor ihm... Hatte schon Bilder von einem zukünftigen Amokläufer, kriminellen Junkie vor meinen Augen... Da ja Eddie unter der Woche nie da ist, war ich sozusagen allein... Er konnte das alles natürlich nicht selber miterleben... Wenn er dann am WE da war, hieß es dann, dass die Kinder null Erziehung hätten und ich mich nicht genug um sie kümmere... Kind"er" deswegen, da sich mit der Zeit auch die Azra ziemlich vieles abgeschaut hatte... D. h. ich musste am Ende gegen 2 Fronten kämpfen und hatte null Unterstützung... An ADS/ADHS hatte ich immer noch nicht gedacht...

Ausschlaggebend für die Einsicht, dass Malik ADHS hat und somit der Entschluss für die Medikation feststand, war die Aussage der Mittagsbetreuung... Wie gesagt, schrieb ich Malik und auch Azra ab Februar bzw. Anfang März bei der Mittags- und Hausaufgabenbetreuung ein... Anfang Mai, also nach gerade mal 2 Monaten sprach mich die Leitung der Mittagsbetreuung Frau L. an und teilte mir mit, dass sie Malik jetzt alleine in ein Zimmer gesteckt haben, da er ständig Unruhe in die Gruppe gebracht hat.... Die vergessenen Arbeitsblätter, Bücher, Stifte, Radiergummis, Kleber, Scheren oder Spitzer sind hier noch nicht mal aufgezählt worden... Diese Nachricht traf mich wie ein Schlag vom Klitschko ins Gesicht... Ich bekam sofort einen Kloß im Hals, weil ich mir bildlich vorstellen musste, wie mein Sohn alleine in einem Zimmer sitzt, während die anderen gemeinsam Hausaufgaben machten... DIESEN SCHLAG HABE ICH ZU SPÄT BEKOMMEN!!!!! Das war an einem Montag, am Dienstag musste ich sowieso zum Kinderarzt, da Azra ihre monatliche Sensibilisierungsspritze bekommen musste... während der 30 Minuten, die ich mit Azra immer nach der Spritze warten muss, wegen eines evtl. Allergieschocks, nutzte ich die Gelegenheit und sprach mit unserem Kinderarzt... Komischerweise fiel mir dabei auf, dass Malik während dieses Gesprächs NIE ruhig saß... Er kletterte auf die Untersuchungsliege, stellte sich darauf um das Ablenkspielzeug an der Decke anzufassen, kletterte wieder herunter lief zur Wand mit dem Bild, drehte sich um ging zu den Spielsachen, lief weiter zur Messlatte usw.... Vorher fiel mir das NIE auf... Und ich sprach den Arzt direkt auf Ritalin an... Das war das Einzige, was ich kannte von anderen Kindern... Komischerweise fielen mir die "Probleme" anderer Kinder sofort auf, bei Malik nie bzw. nicht so extrem... (wir nannten ihn immer Zappelphillipp, weil er nie ruhig liegen bleiben konnte, wenn er bei uns im Bett lag und wir gemeinsam einen Film schauen wollten)... Ich hatte immer eine "Erklärung" für mich und andere parat... Echt komisch, da ich eigentlich immer so gut ich kann versuche, realistisch zu sein... Naja, auf jeden Fall wusste der Arzt wohl schon eher Bescheid, da er die ganze Krankenakte von Malik auf seinem PC hat und diese Probleme wohl schon eher bemerkt hatte... Da er mich ja auch inzwischen sehr gut kennt und weiß, dass ich mir nicht einen "Bären" aufbinden lasse, meinte er, hätte er mich darauf angesprochen, hätte ich sofort abgeblockt, da ich ja bereits die Psychologin damals "ignoriert" hatte... Es hätte keinen Sinn gemacht, mich auf ADHS (erstmals hatte er direkt ADHS angesprochen und nicht ADS) anzusprechen, da ich überzeugt davon war, dass mein Kind kein ADHS hat... Dann fiel mir plötzlich das Gespräch ein, als ich das erste mal das Rezept für die ET ausstellen lassen wollte... Ich habe damals von Malik´s Defiziten berichtet und im selben Atemzug ADS/ADHS selber ausgeschlossen!!! Das Malik nur eine Förderung in den Bereichen der Feinmotorik bräuchte... Dann kam das Gespräch für die LP... dasselbe Schema... Malik hat NUR Probleme, auf sein Wortschatz zuzugreifen und gewisse Wörter und Buchstaben auszusprechen... ICH habe immer von vornherein dem Arzt gesagt, was Malik hat und was er braucht... Der Kinderarzt redete auch nicht lange um den heißen Brei!!! Er schickte mich zu einem anderen Kinderarzt für ein EEG. Was ebenfalls eine Katastrophe war, da Malik kaum ruhig liegen bleiben konnte... die letzten 3 Minuten habe ich soooo lange hinausgezögert, dass ich meinte, ich zähle nur bis 60 und dann ist alles vorbei... Dann EKG und Blutabnahme... Dann kamen die Pfingstferien dazwischen und mich plagten 2 Wochen schlechtes Gewissen... Letzte Woche dann die Befundsbesprechung... Ich bestand darauf, so niedrig wie möglich zu dosieren, da ich mein Kind nicht in der "Persönlichkeit" verändern möchte und kein Zombiekind will... Der Kinderarzt beruhigte mich und meinte, dass er selbstverständlich mit der niedrigsten Dosierung beginnen wird und nach einer 4 Wöchigen "Test- und Beobachtungsphase" wir dann über die Dosierung sprechen müssen... Entweder passt die Dosierung, oder wir müssen eben immer schrittweise erhöhen... Wir sprachen über die Risiken und er meinte, dass es wohl bei einer "falschen" Dosierung auch zu einer Sucht kommen kann... Da war es wieder, das schlechte Gewissen...

Er stellte mir das Rezept aus und ich habe mich nicht getraut, das Medikament zu holen... Stattdessen habe ich mich über Methylphenidat im Internet informiert und auch tatsächlich Informationen gefunden, dass eine falsche Dosierung bzw. Anwendung zur Sucht führen kann... Viele Informationen, die mir Angst gemacht hatten... Es stand natürlich auch sehr viel über die positiven Seiten des Medikamentes aber die Entscheidung, das Medikament zu holen, habe ich durch Moni :heart3d: getroffen... Also holte ich das Medikament "Medikinet Retard" und sprach ausführlich auch das erste mal mit Malik darüber... Er verstand es und war auch gewillt, am Donnerstag dann problemlos die Kapsel runterzuschlucken... Ich fuhr mit ihm in die Schule und sprach direkt mit der Lehrerin darüber... Vielleicht bilde ich es mir ja ein, aber als ich Malik im Klassenzimmer beobachtete, könnte ich schwören, er war verwundert über alles... Ich lehnte mich am Türrahmen an und beobachtete ihn... Er sah sich in der Klasse um und schaute total merkwürdig... Er machte seinen Ranzen auf und holte sein Arbeitsheft heraus... Als sein Kumpel Kevin auf ihn zukam und ihn anbrüllte (meiner Meinung nach hat dieses Kind definitiv ADHS, die Mutter ist nur in der Ignorierphase wie ich damals :mrgreen:): "Malik wir brauchen nicht dieses Heft, sondern erst die FIIIIHIBEEEL!!!" da schaute Malik Kevin an und schüttelte nur verwundert den Kopf... Da bemerkte mich Kevin und schrie: Hallo Demiiii! (dieses Kind kann nicht "normal" reden, er schreit eigentlich immer!) Ich hob bloß kurz die Hand und winkte ihm zu... Da drehte sich Malik lächelnd um, legte ganz ruhig dabei das Arbeitsheft unter den Tisch und wollte gerade seine Fibel rausholen... Da bemerkte er, dass er seine Brotzeit nicht "ordentlich" eingepackt hat und meinte: Oh, Mama, ich hab meine Donuts nicht ordentlich eingepackt. Packte die Brotzeit in das andere Fach von der Schultasche und holte seine Fibel raus... Ich ging mit einem dicken Kloß im Hals zu ihm, gab ihm einen Kuss und verabschiedete mich... Seit diesem Tag beobachte ich immer wieder die Veränderungen an seinem Verhalten, die selbst bei der niedrigsten Dosierung zu bemerken sind... Das ist wahnsinn... Ich beobachte ihn eigentlich nur noch... Ob er genug isst und trinkt, ob er zappelt oder immer noch so impulsiv ist... Ich will jetzt nicht übertreiben, denn impulsiv ist er tatsächlich immer noch, aber ich denke dass das nicht wegen der niedrigen Dosierung zusammenhängt, sondern an der Angewohnheit... Er kennt es bis jetzt nicht anders... Gestern hat er das ERSTE mal freiwillig die Lego-Spielsachen herausgeholt, die er zu Weihnachten bekommen hat... Er HASSTE Lego, weil er nie die Geduld dazu hatte... Am Donnerstag (Tag der ersten Kapsel) hatte er das erste mal seit Ewigkeiten wieder ein lachendes Smilie im Heft und am Freitag hatte er sogar das erste mal wieder ein Lego-Teilchen als Belohnung mit nach Hause gebracht...

Ich habe Malik direkt gefragt, ob er eine Veränderung bemerkt hat und ob die Kapseln helfen... Er sagte ein bisschen schon... Was immer das auch heißen mag... Genau konnte er mir das auch nicht erklären... Aber ich werde einfach weiterhin beobachten... Ich achte jetzt noch mehr darauf, was und ob er isst. Und auch hier gab´s bisher keine Probleme... Er schläft normal ein und wacht auch normal auf... Heute hat er auch zum ersten mal selber mich auf die Kapsel angesprochen und meinte, ich solle schon mal seine Tablette vorbereiten... Ich muss sie ihm noch auf der Zunge platzieren und er spült es dann mit Tee herunter... aber es klappt sehr gut... Ich bin froh, dass ich auch hier wieder auf meinen Bauch gehört und an das Richtige geglaubt habe...

Jetzt habe ich eine Freundin, die dasselbe durchmacht, wie ich... Die Mama vom besagten "Kevin" :009:

Wenn ich jetzt alles zurückblickend betrachte, ärgere ich mich immer mehr darüber, dass damals die Schule darauf bestand, den Malik in die DiaFö zu schicken und man ihn 2 Stunden lang "hinter meinem Rücken" getestet hat, statt mich über evtl. ADS/ADHS zu informieren!!! :0301:
 

Florida-Fighter

Derzeit im Forums-Urlaub
#73
Ganz einfach. Früher wurde Kinder ausserhalb der Norm, jedoch ohne eine ersichtliche Behinderung, einfach in die Sonderschule abgeschoben. Was das für diese Kinder bedeutet hat, kannst du dir vorstellen. Ich bin froh darüber, dass heute eher auf die Kinder eingegangen wird und auch Therapien angeboten werden. Selbst wenn es manchmal zu Auswüchsen kommt, möchte ich nicht zu den guten, alten Zeiten zurück, denn diese waren nicht wirklich gut.
Naja, wird denn wirklich auf die Kinder eingegangen??? Früher wurden Kinder in die Sonderschule abgeschoben, heute in die Förderschule!!!... Wenn das Kind nicht mitkommt, fliegt es aus der Schule... Und wenn tatsächlich auf diese Kinder eingegangen werden und Therapien im Rahmen der Schule angeboten werden würden, bräuchte man keine Medikamente !!!!! Die Lehrer haben nicht die Zeit, sich um "Problemkinder" zu kümmern... sie müssen sich nach dem Schullehrplan richten und das alles in dem vorgegebenen Zeitrahmen schaffen!!!
 
J

Jochen

Guest
#74
Schöne Schilderung - und durchaus Ansätze zur Selbstkritik :0141:
Du bist bei Weitem nicht die einzige Mutter, die ganz alleine und ausschließlich und unzweifelhaft als Einzige weiß was ihr Kind hat, was gut und was schlecht für es ist - da gibt es jede Menge von, wenn die vielleicht auch nicht ganz so temperamentvoll und impulsiv sind wie Du....

Meine Frau kennt die andere Seite als Erzieherin - viele - durchaus behebbare Störungen - in allen möglichen Bereichen der Entwicklung kann man schon in sehr frühen Stadien erkennen und so entgegenwirken, dass die Kinder es dann schon beim Einstieg in die Schule wesentlich einfacher habe. Und jede vernünftige Erzieherin kann das auch erkennen, in den vorgeschriebenen Beobachtungsbögen festhalten und in Elterngesprächen zur Sprache bringen - aber erschreckend viele Eltern sehen das nur als Angriff auf das Kind, sie persönlich und ihre "Erziehungsleistung" anstatt als die Hilfe, die es eigentlich sein soll. Die Erzieherinnen haben keinen Vorteil davon, Sonderförderungsmaßnahmen in der Gruppe zu haben, Fortbildungen für Sprachförderungen in ihrer Freizeit zu machen oder sich von Eltern anmachen zu lassen - aber sie machen es der Kinder wegen.

Und eins ist mal sicher: Kein Mensch sieht die Kinder weniger objektiv als die eigenen Eltern - auch Erzieher oder Lehrer nicht....
 
J

Jochen

Guest
#75
Naja, wird denn wirklich auf die Kinder eingegangen??? Früher wurden Kinder in die Sonderschule abgeschoben, heute in die Förderschule!!!... Wenn das Kind nicht mitkommt, fliegt es aus der Schule... Und wenn tatsächlich auf diese Kinder eingegangen werden und Therapien im Rahmen der Schule angeboten werden würden, bräuchte man keine Medikamente !!!!! Die Lehrer haben nicht die Zeit, sich um "Problemkinder" zu kümmern... sie müssen sich nach dem Schullehrplan richten und das alles in dem vorgegebenen Zeitrahmen schaffen!!!
Das stimmt so nicht. Die Angebote an Förderung mit Ziel der kompletten Integration sind viel zahlreicher und qualitativ besser als früher. Das dies in speziellen Schulen oder Einrichtungen passiert ist für alle Beteiligten wesentlich fairer - und es ist immer Ziel eine Rückkehr in die "normale" Schule zu ermöglichen. Schon Dutzendfach mitbekommen.
 

Florida-Fighter

Derzeit im Forums-Urlaub
#76
Schöne Schilderung - und durchaus Ansätze zur Selbstkritik :0141:
Du bist bei Weitem nicht die einzige Mutter, die ganz alleine und ausschließlich und unzweifelhaft als Einzige weiß was ihr Kind hat, was gut und was schlecht für es ist - da gibt es jede Menge von, wenn die vielleicht auch nicht ganz so temperamentvoll und impulsiv sind wie Du....

Meine Frau kennt die andere Seite als Erzieherin - viele - durchaus behebbare Störungen - in allen möglichen Bereichen der Entwicklung kann man schon in sehr frühen Stadien erkennen und so entgegenwirken, dass die Kinder es dann schon beim Einstieg in die Schule wesentlich einfacher habe. Und jede vernünftige Erzieherin kann das auch erkennen, in den vorgeschriebenen Beobachtungsbögen festhalten und in Elterngesprächen zur Sprache bringen - aber erschreckend viele Eltern sehen das nur als Angriff auf das Kind, sie persönlich und ihre "Erziehungsleistung" anstatt als die Hilfe, die es eigentlich sein soll. Die Erzieherinnen haben keinen Vorteil davon, Sonderförderungsmaßnahmen in der Gruppe zu haben, Fortbildungen für Sprachförderungen in ihrer Freizeit zu machen oder sich von Eltern anmachen zu lassen - aber sie machen es der Kinder wegen.

Und eins ist mal sicher: Kein Mensch sieht die Kinder weniger objektiv als die eigenen Eltern - auch Erzieher oder Lehrer nicht....
Da hast Du ebenfalls einen wunden Punkt getroffen... Der Kindergarten... Ich habe erst im Februar 2010 - einen Monat vor den Einschulungstests - erfahren, dass Malik keine Schere halten kann... Er wurde bereits im September 2007 im Kindergarten eingeschrieben... Warum hat man es bis Februar 2010 nicht bemerkt, dass Malik keine Schere halten, Bastelaufgaben geschickt ausgewichen ist und auch damals schon die Schwungübungen katastrophal sind... Es ist leider immer vermehrt zu beobachten, dass die Kindergärten überhaupt nicht mehr um die Kinder kümmern, wie sie sollen... Hauptsache das Geld ist jeden Monat pünktlich auf dem Konto!!! ADS/ADHS Kinder kann man bereits im Kindergarten "beobachten"... und darauf hinarbeiten, mit den Eltern reden, auf die Kinder eingehen... Aber das ist eben nicht so!!! Kinder die den Morgenkreis stören, werden auf den Auszeitstuhl gesetzt und müssen das Geschehen von außen mitverfolgen... Sie werden bereits im Kindergarten ausgegrenzt und "bestraft"... Auch wenn solche Erziehungsmaßnahmen nicht als Strafe ausgesprochen werden, so ist es für dieses Kind dennoch eine Strafe...

Das habe ich auch der Mittagsbetreuung so erklärt... Sie war total erschrocken, als ich ihr sagte, dass es für Malik einer Bestrafung gleich kommt, wenn er aus dem Zimmer verwiesen wird, weil er sich daneben benommen hat... So hat sie das ja noch gar nicht gesehen, kam die Antwort!!! HALLOOOO??? Das zeigt mir mal wieder, dass einfach dieses Schubladendenken immer vorhanden ist, auch in einer Einrichtung wie Schule!!!
 

Florida-Fighter

Derzeit im Forums-Urlaub
#77
Das stimmt so nicht. Die Angebote an Förderung mit Ziel der kompletten Integration sind viel zahlreicher und qualitativ besser als früher. Das dies in speziellen Schulen oder Einrichtungen passiert ist für alle Beteiligten wesentlich fairer - und es ist immer Ziel eine Rückkehr in die "normale" Schule zu ermöglichen. Schon Dutzendfach mitbekommen.
Das finde ich nicht... Unter Integration verstehe ich ein miteinander und nicht nur unter "seinesgleichen"... Von einer Integration kann ich reden, wenn "Problemkinder" mit "normalen Kindern" gleichzeitig gelehrt und gefördert werden und die "normalen" Kinder lernen, sich um die "schwächeren" mitzukümmern... Und ich rede jetzt nicht von "behinderten" Kindern... Es ist nunmal auch Fakt, dass hochbegabte Kinder auf die Förderschulen "abgeschoben" werden, da Lehrer nicht in der Lage sind, diese überhaupt zu erkennen!!! Meiner Meinung nach züchten wir egoistische Kinder... Der gesamte Schulplan, das gesamte Schulsystem müsste überarbeitet und "Spätzünder" und "ADS/ADHS Kinder" berücksichtigt werden... Stattdessen wird ein Rasterschema vorgezogen... Wer kein Dreieck ist, wird erstmal aussortiert, solange bis die Ecken passen, dann kann es zurück in die "normale" Gesellschaft...

Ich finde das doof... Aber ich tick eh anders... Genaugenommen, bin ich das Musterbeispiel an ADHS-Patienten :muha: Und das ist ernst gemeint :mrgreen:
 

hobi11

Well-Known Member
#78
Das stimmt so nicht. Die Angebote an Förderung mit Ziel der kompletten Integration sind viel zahlreicher und qualitativ besser als früher. Das dies in speziellen Schulen oder Einrichtungen passiert ist für alle Beteiligten wesentlich fairer - und es ist immer Ziel eine Rückkehr in die "normale" Schule zu ermöglichen. Schon Dutzendfach mitbekommen.

+++++++++

Hallo,

dem kann ich nur zustimmen. Auch wir haben unser Kind zunächst mal auf die Förderschule geschickt, weil wir der Meinung
waren, dass die angebotenen Therapien hilfreich wären. Solche Therapien wie Ergo, Feinmotorik etc. können Regelschulen
halt in diesem Unfange nicht anbieten. Begeistert waren wir damals natürlich nicht, aber es geht doch erst mal um das Wohl des Kindes
und nicht um die Eltern, die mit Sicherheit nicht immer objektiv die Sache angehen. Das haben wir mit Sicherheit zunächst
auch nicht getan.

Unser Sohn war 2 Jahre auf der Förderschule, ging danach wieder in die Regelschule mit Hilfe einer "ausgebildeten"
Integrationskraft. Heute brauchen wir die Integrationskraft auch nicht mehr. Also wer denkt, Förderschule -
immer Förderschule, der irrt gewaltig. Die Zeiten sind längst vorbei.

Wir denken, dass unsere Entscheidung damals richtig war und wir würden es immer wieder so nochmal tun.

Gruß
hobi
 
J

Jochen

Guest
#79
Es ist leider immer vermehrt zu beobachten, dass die Kindergärten überhaupt nicht mehr um die Kinder kümmern, wie sie sollen...
Wie viele Kindergärten hast Du denn schon als Beteiligte erlebt, dass Du ein derart vernichtendes Urteil gleich über alle fällen kannst? Soviel zum Thema "Schubladendenken" :001: - das gibt es sicher nicht nur auf einer Seite.....

Es gibt wie immer Gute und Schlechte bei jeder Einrichtung. Pauschalurteile sind da ganz sicher fehl am Platz.

Meine Frau hatte letzte Woche ein Elterngespräch mit der Mutter eines Kindes, das Fördermaßnahmen benötigt. Normal sind 20-30 Minuten für solche Gespräche - das dauert 100 Minuten und am Ende hat die Mutter es verstanden und eingewilligt. Das war offenbar ein ähnlich gelagerte wie Du, die glaubte meiner Frau auch nichts, obwohl sie ihr ein Dutzend Beispiele gab. Ich kann jede Erzieherin verstehen, die nach 20 Minuten abbricht und sich sagt "Dann eben nicht - ist ja Dein Kind" - denn die Erzieherin macht das nicht einmal für 1 Kind, die macht das für 20 Kinder in der Gruppe 40x im Jahr mit den Elterngesprächen. Das hat schon was von Syssiphus-Arbeit wenn da Eltern dabei sind die alles besser wissen. Nebenbei gesagt werden von den 100 Minuten mal gerade mal 15 Minuten für das Elterngespräch angerechnet, der Rest ist das "Privatvergnügen" meiner Frau - und die ist nicht die einzige Erzieherin die ich kenne die solch ein Engagement aufbringt.
Natürlich gibt es - auch im KiGa meiner Frau - auch Kollegen ohne jedes Engagement, die Dienst nach Vorschrift machen. Aber die wenigsten fangen schon so an, solch einen Beruf mit der Bezahlung und dem Aufwand macht man nur wenn man daran interessiert ist - viele werden erst durch die Reaktionen der Eltern so gemacht. Oft gilt da auch: Wie man in den Wald hineinruft....

Stell Dich mal gedanklich auf die andere Seite wenn Du vom Leder ziehst - und überlege Dir mal ehrlich wie Du dann reagieren würdest...... :001:
 
J

Jochen

Guest
#80
Von einer Integration kann ich reden, wenn "Problemkinder" mit "normalen Kindern" gleichzeitig gelehrt und gefördert werden und die "normalen" Kinder lernen, sich um die "schwächeren" mitzukümmern...
Und was sagst Du den Eltern der Kinder die normal gefördert werden könnten, nun aber auf die "langsamen" warten müssen? Pech gehabt? Da müssen ganz andere Modelle her - integrierte Schulen funktionieren nur mit mehreren Lehrkräften in den Klassen, individueller Betreuung und Spezialausbildungen der Lehrer. Finde ich ich erstrebenswert - bist Du bereit dafür 10% mehr Steuern zu zahlen um das zu finanzieren? Ich bin dabei.

Und ich rede jetzt nicht von "behinderten" Kindern... Es ist nunmal auch Fakt, dass hochbegabte Kinder auf die Förderschulen "abgeschoben" werden, da Lehrer nicht in der Lage sind, diese überhaupt zu erkennen!!!
Hör doch mal mit diesem Verallgemeinern auf. Bei meiner Tochter wurde ihr schon seit der 2. Klasse regelmäßig in allen Klassen die Möglichkeit der Teilnahme an Kursen für Hochbegabte angeboten, das hat selbst der blindeste Lehrer erkannt.
 
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