Sichert das Überleben der Touristik

rswfan

Chef vom Dienst
Teammitglied
daher läuft die Kampagne des DRV - da wo es möglich ist....
IMG_20200402_150128-01.jpegWir sind auch nach der Krise für Euch da und brauchen jede Buchung. Rund 10.000 Reisebüros gibt es in Deutschland, es werden mehr als 3.000 vom Markt verschwinden und diese Krise nicht überstehen – so die bittere Prognose.

Meine Frau arbeitet in einer kleinen Agentur und ist schon seit 2 Wochen zu Hause. Wie es momentan aussieht wird es dort nicht mehr wirklich weitergehen – der Gang zur AA ist schon fast unumgänglich. Unterstützt die Reisebüros bitte... Vielen Dank Euch allen und bleibt gesund!
 
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Arndt

Well-Known Member
Hallo Arno,

ich habe volles Verständnis für Eure Kampagne, aber keinerlei Verständnis für das Verhalten der Reiseveranstalter und Fluggesellschaften im Hintergrund.

Ich habe kein Problem damit, die Anzahlungen für meine "Juni-Reise" stehen zu lassen und für eine zukünftige Reise anrechnen zu lassen. Aber sowohl DERTour als auch Lufthansa versuchen aktuell noch die Reisenden zu zwingen den Gutschein innerhalb von 2020 einzusetzen. In 2020 habe ich aber keine Urlaubstage mehr zur Verfügung, da mein Arbeitgeber verlangt, den geplanten Urlaub auch so zu nehmen. Damit hätte ich in 20 nur noch 2 frei verfügbare Tage. Und für diesen Zeitraum lohnt sich keine Fernreise.

Ihr sollte also über Eure Verbände auch entsprechenden Druck ausüben, um die Gutscheinregelungen verbraucherfreundlicher zu gestalten. Falls Ihr das nicht schafft, werden Unmengen an Stornos auf Euch zukommen.

BTW: Wie verhält sich eigentlich DERTour in Bezug auf die Restzahlung? Sind die so dreist und ziehen ein, obwohl die Durchführung einer Reise extrem ungewiss ist?
 

Arndt

Well-Known Member
Arno,

Dir und Deinen Kollegen an der Front macht auch niemand einen Vorwurf.

Ihr müsst aber unter Zuhilfenahme Eurer Verbände in die andere Richtung starken Druck machen. Wenn das nicht klappt, dann machen das die Endkunden über Euch hinweg und im Endeffekt ist das kleine Reisebüro um die Ecke dann der Leidtragende und wird schließen müssen.
 

Texasranger

Well-Known Member
Mir tun alle Betroffenen, ob Dienstleister oder Kunden, leid. Alle lassen derzeit mächtig Federn.

Aber so, wie es die Bundesregierung auf Druck der Airline- und Reiseveranstalterlobby nun regeln will (Zwangsgutscheine), geht es auch nicht.
Es soll, jedenfalls bei den Flügen, europäisches Recht ausgehebelt werden, und die Kunden sollen zu Zwangskrediten gezwungen werden, wobei die Werthaltigkeit der Ansprüche gänzlich offen ist. Damit werden rückwirkend zivilrechtliche Verträge durch staatlichen Eingriff geändert. Das geht meines Erachtens gar nicht und ist eines Rechtsstaats unwürdig. Bei mir und allen befreundeten Juristen, mit denen ich gestern gesprochen haben, herrschte Entsetzen und Fassungslosigkeit, ob dieser Rechtsvorstellungen. Das wird noch eine Menge Ärger geben.

Sollte es so kommen, so wird es nach den Airlinepleiten und der Thomas-Cook-Pleite das letzte Vertrauen der Kunden in die Reisebranche ruinieren und - unabhängig von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung - zu einem deutlich veränderten Buchungs- und Reiseverhalten der Kunden führen. Vorkasse wird jedenfalls niemand mehr leisten wollen.

Unabhängig davon ist die Gutscheinlösung doch eine Mogelpackung. Die Kunden fahren doch im nächsten Jahr nicht doppelt so häufig oder doppelt so teuer weg wie üblich. Es wird mit den Gutscheinen bezahlt und es fehlt neuer Umsatz. Dann kommen die Insolvenzen im nächsten Jahr, es sei denn - und das ist wohl der Hintergedanke - der Flug kostet dann den doppelten Gutscheinwert. Das bedeutet aber doch nichts anderes als das die Kunden enteignet werden und Gutscheine letztlich Ersatztoilettenpapier sind.
 

Arndt

Well-Known Member
@Texasranger / Stefan:

Wie ist denn Deine Rechtsauffassung bzgl. offener Restzahlungen an den Veranstalter? Dürfen diese eingezogen werden, obwohl nicht klar ist ob eine Reise stattfinden wird? Oder ist man auch in dem Falle zahlungspflichtig, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Durchführung ganz dicht bei 0% liegt?
 

jhon

Well-Known Member
Was mich zusätzlich bei dieser ganzen Gutschein-Thematik irritiert: Meines Wissens ist doch laut deutscher Rechtsprechung eine zeitliche Begrenzung für Gutscheine nur bei besonderer Begründung möglich, sonst sind die doch eigentlich immer mind. 3 Jahre gültig - warum können Fluggesellschaften das auf Ende des Jahres begrenzen?
 

Texasranger

Well-Known Member
@Arndt:

Ich kenne die Einzelheiten des Sachverhalts nicht, daher nur allgemein:

Ich bin grundsätzlich dafür, dass sich beide Seiten an die getroffenen Vereinbarungen halten und ihre vertraglichen Pflichten erfüllen. Das ist bisher im deutschen Recht immer so gewesen und sollte auch weiter so sein. Wenn ich allerdings sehe, wie jetzt manche Dinge laufen, habe ich erhebliche Zweifel, ob dass derzeit von Unternehmerseite aus immer geschieht.

Ich würde zunächst in die AGB schauen. Wenn Du die Restzahlung nicht rechtzeitig erbringst, könnte dies eine kundenseitige Stornierung sein, mit allen nachteiligen Folgen. Daher ist Vorsicht geboten.

Ich würde den Veranstalter daher unter Fristsetzung nachweisbar zu einer Erklärung auffordern, ob er die Leistung erbringen wird und darauf hinweisen, dass Du eine nicht fristgerechte Erklärung als Verweigerung der Leistungserbringung siehst. Ob das letztlich hält, wird man sehen. Kommt keine Antwort, musst Du Dir überlegen, ob Du zahlen und ggf. mit einem Gutscheinen enden willst.
Es könnte übrigens auch ein vertragswidriges Verhalten des Unternehmers sein, wenn er Geld für eine Leistung fordert, von der er weiß, dass er sie nicht erbringen wird. Dann ist der Kunde nämlich nicht leistungspflichtig.

Parallel würde ich das Gespräch suchen, wenn der Veranstalter erreichbar ist, um einen Zahlungsaufschub zu erwirken bis Klarheit besteht, ob die Reise durchgeführt wird oder nicht. Diese gütliche Lösung wäre sicherlich die beste Lösung.

Wenn wirklich eindeutig ist, dass es keine Leistungserbringung erfolgen wird und aus dem bisherigen Verhalten des Veranstalters gegenüber anderen Kunden ersichtlich ist, dass niemand sein Geld, sondern nur einen Gutschein erhält, würde ich mir zweimal überlegen, ob ich den Rest zahle.
 

Texasranger

Well-Known Member
Was mich zusätzlich bei dieser ganzen Gutschein-Thematik irritiert: Meines Wissens ist doch laut deutscher Rechtsprechung eine zeitliche Begrenzung für Gutscheine nur bei besonderer Begründung möglich, sonst sind die doch eigentlich immer mind. 3 Jahre gültig - warum können Fluggesellschaften das auf Ende des Jahres begrenzen?

Mit der Thematik bin ich (noch) nicht so vertraut. Daher spontan Folgendes:

Ein Gutschein statt Geld kann nicht aufgezwungen werden. Ein Gutschein muss nur akzeptiert werden, wenn dies im Vertrag steht oder der Vertrag nachträglich durch beide Vertragsparteien geändert wird. Einseitig geht das nicht.
Wenn keine zeitliche Begrenzung vereinbart wird, ist der Gutschein 3 Jahre gültig. Das leitet sich wohl aus der regelmäßigen 3-jährigen Verjährungsfrist des BGB ab. Eine kürzere Laufzeit muss ebenfalls vertraglich vereinbart werden. Einseitig geht auch das nicht.

Diese Gutscheine darf man nicht mit den Gutscheinen vergleichen, die es beim "Umtausch" von Ware gibt. In den Fällen muss der Händler die Ware nicht zurücknehmen, macht es aber trotzdem und gibt statt Geld freiwillig einen Gutschein. Dann kann er auch bestimmen, wie lange dieser gültig ist.

Diese Gutscheinnummer der Airlines ist daher gleich doppelt vertragswidrig (und bei Annullierungen zudem europarechtswidrig).
Es sind aufgenötigte Gutscheine mit zu kurzer Laufzeit.
Meines Erachtens stellt sich dort sogar die Frage, ob das strafrechtlich relevant ist (z.B. Nötigung, Untreue, wenn mit der Insolvenz gedroht wird und gleichwohl klar ist, dass die Gutscheine im Ergebnis nicht werthaltig sind).

Dass der Gesetzgeber nun meint, rückwirkend in privatrechtliche Verträge eingreifen zu können und dies auch noch einseitig zugunsten der stärkeren Vertragspartei, schlägt meines Erachtens dem Fass den Boden aus.
 

Arndt

Well-Known Member
Wenn wirklich eindeutig ist, dass es keine Leistungserbringung erfolgen wird und aus dem bisherigen Verhalten des Veranstalters gegenüber anderen Kunden ersichtlich ist, dass niemand sein Geld, sondern nur einen Gutschein erhält, würde ich mir zweimal überlegen, ob ich den Rest zahle.

Es geht hier explizit um eine Rundreise durch China - mit Zwischenziel Wuhan :0096:.

Aus meiner Sicht ist es absolut undenkbar dort Anfang Juno durchzufahren.
 

Arndt

Well-Known Member
Manchmal ist es einfacher als man denkt. In der Buchung steht noch die alte Kreditkartennummer. Diese wurde zum Jahreswechsel wegen eines Skimming Versuches ausgetauscht. Also läuft da erst mal nicht automatisch.....

Anschreiben werde ich sie aber trotzdem.
 

Claudia

Power-Mom und Moderatorin
Moderator
Noch ist doch bezüglich der Gutscheine gar nichts entschieden! Laut Handelsblatt gibt es die Pläne der Bundesregierung, diese müssen aber von der EU genehmigt werden! Außerdem sollen die Gutscheine dann bis Ende 2021 gültig sein, dies gilt dann wohl für alle ... Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich einzelne Unternehmen da rausnehmen können :0025:

https://www.handelsblatt.com/untern...-duerfen-auf-liquiditaet-hoffen/25709586.html
 
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S.Crockett

Well-Known Member
Support your Local Reisebüro

ich buche meine Reisen nur im Reisebüro. Ich werde dort sprichwörtlich „Bemuttert„.
sogar jetzt während der Corona-Krise bekomme ich jede Woche eine Email mit Updates.

Ich kann es nicht verstehen, das man die Ortsansässigen Reisebüros nicht unterstützt.
Geht es den meisten nur um die Serviegebühr von 25€?

Wir geben soviel Geld für unseren Urlaub aus, oder für andere unnütze Sachen. Aber eine Servicegebühr seitens des Reisebüros, ist bei vielen ein No Go. Das soll einer verstehen.
 

TiPi

Moderator
Moderator
Support your Local Reisebüro

ich buche meine Reisen nur im Reisebüro. Ich werde dort sprichwörtlich „Bemuttert„.
sogar jetzt während der Corona-Krise bekomme ich jede Woche eine Email mit Updates.

Ich kann es nicht verstehen, das man die Ortsansässigen Reisebüros nicht unterstützt.
Geht es den meisten nur um die Serviegebühr von 25€?

Wir geben soviel Geld für unseren Urlaub aus, oder für andere unnütze Sachen. Aber eine Servicegebühr seitens des Reisebüros, ist bei vielen ein No Go. Das soll einer verstehen.

Im Prinzip bin ich bei Dir, auch wenn es teilweise mehr als die € 25 Servicegebühren sind.
Was mich aber an manchen Reisebüros immens stört ist die Tatsache, dass die überhaupt keine Ahnung haben.
Da finde ich meine Flüge, Mietwagen, Pauschalreisen im Internet wesentlich schneller und günstiger, als in einem inkompetenten Reisebüro.
Wenn alle so wären wie Arno, müßten wir darüber jetzt nicht diskutieren.

Hier noch ein Beispiel:
Wir buchen unsere Dienstreise Flüge immer über unser Firmenreisebüro.
Ich suche mir vorher die Airline, Flugzeiten, Preise raus und buche dann über das Reisebüro.
Die Preise des Reisebüros für Flüge sind IMMER um ein vielfaches teurer, als die von mir aus dem Internet heraus gesuchten.
Erst nachdem ich das Reisebüro mit meinen Preisen konfrontiere, finden die diese auch (zzgl. 30 € Servicegebühr).
 
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